Berichte aus der Werkstatt

In den 30 Jahren meiner Arbeit mit Haushaltsgeräten habe ich festgestellt, dass die Geräte technisch immer besser und sparsamer wurden. Vor etwa 10 Jahren ist meiner Meinung nach die Technik bereits optimal gewesen. Seitdem haben viele Hersteller leider angefangen, weniger langlebig und unstabiler zu bauen – das Design wurde sehr wichtig, aber an der Technik innendrin wurde sehr gespart.

Heizungen, die früher 20 Jahre gehalten haben, gehen heute häufig schon nach 3 Jahren kaputt, und kosten mehr als das Doppelte wie früher. Maschinen werden zunehmend so gebaut, dass sie nur noch mit hohem Kostenaufwand repariert werden können. So haben zum Beispiel fast alle neuen Waschmaschinen nur noch Plastikbottiche, bei denen die Lager nicht mehr wie früher auswechselbar eingebaut sind, sondern in den Bottich ohne abschraubbares Lagerkreuz integriert sind.

Auch die Elektroniken werden immer kurzlebiger gebaut – durch unterdimensionierte und nicht so belastbare Bauteile gehen sie häufig schnell kaputt und dann muss die gesamte Elektronik ausgewechselt werden. Wir können Elektroniken auch häufig reparieren, bei den ganz neuen Geräten wird es aber immer schwieriger, da die Platinen zunehmend miniaturisiert gebaut werden.

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An Neugeräten verkaufe ich bei Waschmaschinen deshalb nur Miele-Geräte, da diese noch sehr stabil gebaut sind. Die Marke wirbt auch heute noch mit 20 Jahren Lebensdauer.
Die älteren Geräte waren sogar bei Miele noch ein bischen stabiler gebaut, sie haben teilweise eine Lebensdauer von 30 Jahren erreicht.

Auch bei Gebrauchtgeräten verkaufen wir am liebsten Miele-Geräte, da sie sehr service-freundlich (aufklappbare Vorderfront mit Schaltplan) sind, aber auch gebrauchte Maschinen anderer Hersteller aus der Zeit, als sie noch gut gebaut waren, verkaufen wir gerne. Wir können auch bei älteren Geräte noch den Wasser- und Stromverbrauch durch Justierung reduzieren.

Heute habe ich eine erst 2,5 Jahre alte  Bauknecht Waschmaschine mit dem phantasievollen Namen :“ GREEN INTELLIGENCE 1400UPM A+++6Kg Super Eco 6412″ reparieren müssen. Sie lies sich nicht mehr starten, da beim Startknopf die extrem dünn gestaltete Hebelmechanik abgebrochen war. Man kann jetzt überlegen, ob das gewollt war, oder ob der Kunstoff zu teuer war. Es gibt da den Fachausdruck „geplante Obsoleszenz“ das bedeutet, das der Ausfall des Produktes geplant ist; und in diesem Fall sogar kurz nach dem Ende der Garantiezeit. Ich habe den Hebel mit Stahlstiften und Kunstoff repariert und verstärkt ( er soll ja nach 2,5 Jahren nicht wieder ausfallen).

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2 Gedanken zu „Berichte aus der Werkstatt

  1. Frank Zarbock

    Hallo Herr Seeger !

    Kann ich blind bestätigen.
    Ich möchte nicht wissen, wie viele AEG-Elektroniken ich schon instandgesetzt habe bei 2.5 jahre alten Trocknern mit defekten ICs im Bereich der Spannungsversorgung oder Kugellager in Lüftermotoren bei Trocknern oder Laugenpumpen mit zu dünnen O-Ringen in Waschmaschinen oder Hallgebern in Geschirrspülern.
    7 Fälle sind jetzt mit Doku bei der Stiftung Warentest und dem Ministerium für Verbraucherschutz
    als auffällig registriert. Die verrosteten Kugellager einer 650.- Euro AEG habe ich mitgeschickt.
    Vielleicht treten die den Herstellern mal auf die Füße.
    Ist ein sehr masochistisches Hobby geworden 🙂

    Weiterhin trotzdem gutes Gelingen und Gratulation zum tollen Dreh aus NMS

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  2. Doris Hörner

    Sehr geehrter Herr Seeger,
    mit großem Interesse habe ich den Fernsehbericht gesehen und kann die darin getroffenen Einschätzungen aus Erfahrungen in meinem Haushalt nur bestätigen.
    Ich denke, dass es vielen anderen Leuten genauso geht. Daher wäre es interessant zu erfahren, wie man bei Ihnen eine entsprechende Ersatzteilanfrage schicken kann.

    Danke und viele Grüße
    D. Hörner

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